Trägerwerk Soziale Dienste in Rheinland-Pfalz und im Saarland GmbH

Aktuelles

"Born to be in Solidarity" am 09.11.2018

Born to bei in Solidarity. Ein kleines grenzüberschreitendes Projekt von ESAN, Secours Populaire und TWSD Rheinland-Pfalz und Saarland:
Am Freitag, den 09.11.2018 trafen am Hauptbahnhof in Metz die Teilnehmer unserer Veranstaltung ein. Von Deutschland aus hatten sich 7 junge Leute am frühen Freitagmorgen mit dem trägereigenen Bus auf den Weg gemacht. Eine Teilnehmerin aus Deutschland ist erst nachmittags auf eigene Faust angereist, einige Teilnehmer aus Frankreich kamen auch erst am Samstag dazu.

Von dort ging es im Bus gemeinsam nach Scy –Chazelles ins Robert Schuman Haus. Dort hatten wir zunächst eine Führung durch das Robert Schuman Haus. Beeindruckend war, dass jeder Besucher ein IPad ausgeliehen bekam, mit dem er durch die Räume gehen konnte. Das IPad hat die einzelnen Räume erkannt und dann jeweils per Lautsprecher alles Wissenswerte erklärt.

Danach versammelten sich alle Teilnehmer im Seminarraum des Robert Schuman Museums. Dort gab es zunächst eine Vorstellungsrunde.

Problematisch war, dass der von uns angeheuerte Dolmetscher uns am Abend des 08.11 (Donnerstags) ohne Angaben von Gründen abgesagt hat. Die von unserer Partnerorganisation zur Verfügung gestellten Übersetzer waren nicht ausreichen, um unseren jungen Gästen den Inhalt zu übersetzen. So hat sich unsere Prokuristin selbst um die Übersetzung gekümmert. Da sie keine ausgebildete Dolmetscherin ist, dauerte die Vorstellungsrunde etwas länger.

Faszinierend war, dass es uns tatsächlich gelungen ist, ganz unterschiedliche Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen zu versammeln. So waren es nicht nur deutsche und französische junge Menschen, sondern auch junge Leute aus Weißrussland, Albanien und aus Afrika.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen ging es los nach Verdun zum Gebeinhaus. Hier konnten alle jungen Menschen hautnah erleben, was Krieg bedeutet, welches Leid er auslösen kann und wie die Bevölkerung und die Soldaten auf beiden Seiten der Front den Krieg erlebt haben.

Danach ging es ins Kloster nach Peltre, die Teilnehmer bezogen Ihre Zimmer, bekamen ein Abendessen. Am Abend besuchte die ganze Gruppe das Musikfestival, welches in Metz stattfand. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt waren die ersten Hürden genommen. Es kam zu angeregten Gesprächen. Da die wenigsten Teilnehmer aus Deutschland ausreichend französisch sprechen, wurde teils auf Englisch, teils mit Händen und Füßen, teils mit dem Google Übersetzer übersetzt. Die Sprachbarriere war gefallen und alle jungen Menschen fühlten sich sichtlich wohl.

Am Samstagmorgen, nach einem guten Frühstück im Kloster, ging es mit dem Bus, den das französische Heer gesponsert hat, wieder in Maison Robert Schuman. Die eingeladenen Referenten diskutierten angeregt und stellten sich den Fragen aus den Reihen der jungen Leute.

Trotz der Widrigkeiten der fehlenden Dolmetscher entspannten sich aber angeregte Diskussionen. In den Pausen fanden sich die Teilnehmer immer wieder in kleinen Gruppen zusammen und diskutierten über das Gesagte. Gerade in diesen Gesprächen stellte sich schon heraus, dass die Sorgen und Nöte, aber auch die Ideen und Anregungen sich quer durch den Teilnehmerkreis ähnelten.

Es bildete sich bereits zu diesem Zeitpunkt ein allgemeiner Konsens, dass ein gedeihliches Zusammenleben über alle Landesgrenzen, Sprachbarrieren, Bildungsunterschiede hinweg nur durch ein geeintes Europa zu erreichen ist.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen, dass ebenfalls durch lebhafte Gespräche, teils unter zu Hilfenahme der Übersetzer, teils unter zu Hilfenahme von Englisch und teils mit Händen und Füßen sowie des Google Übersetzers, geprägt war, starteten wir in die aktive „Arbeitsphase“ Die jungen Leute hatten da schon keine oder nur wenige Berührungsängste mehr!

Die Aufgabe für die jungen Leute bestand darin, zunächst ihre Sorgen, Ängste und Nöte zu formulieren.

Neben eher allgemeinen Ängsten und Sorgen, wie der Furcht vor Terror oder Krieg oder vor der Zerstörung der Umwelt, wurde quer durch die Teilnehmer immer wieder die Angst vor Arbeitslosigkeit, Armut und persönlicher Ausgrenzung aufgrund von Religion, Aussehen oder sexueller Orientierung geäußert.

Die Teilnehmer hatten die Möglichkeit, ihre jeweiligen Anliegen auf Zettel zu schreiben und sie in anonymer Form an die Moderatoren zu übergeben. Von dieser Möglichkeit haben fast alle Teilnehmer Gebrauch gemacht.

Die auf deutsch und auf französisch geschriebenen Zettel wurden durch die Moderatoren (Marie-Francoise Thull und Mechthild Hoffmann) jeweils in die andere Sprache übersetzt, laut vorgelesen, und dann auf einem Flipchart notiert. Unterstützt wurden sie durch eine deutsche Teilnehmerin mit guten Französisch Kenntnissen und einem französischen Teilnehmer mit guten Deutschkenntnissen. So konnten wir sicherstellen, dass zwei Vertreter aus der Mitte der jungen Leute sich mitengagieren konnten.

Sodann wurden die Wünsche abgefragt und am Schluss konnten die Teilnehmer auch schon einzelne Vorschläge machen. Die Vorgehensweise war die gleiche wie oben beschrieben.

Auch hier entwickelten sich bereits angeregte Diskussionen, nicht zuletzt über die Frage, ob die Europäische Union hier jeweils genug für ihre Bürger tut.

Dann war der Tag auch schon fast vorbei, und alle Teilnehmer wurden nach Peltre gebracht, wo sie ein leckeres Abendessen erhielten.

Der Abend wurde wieder in Metz auf dem Musikfestival verbracht.

Am Sonntag morgen trafen sich alle Teilnehmer im Kloster Peltre im Seminarraum. Es wurden 3 Gruppen gebildet, die jeweils noch einmal zusammenfassten, was am vorangegangen Tag an Ergebnissen erzielt worden ist.
Fazit:

Die Veranstaltung war für uns als Veranstalter und für alle unsere Teilnehmer ein Erfolg. Neben den Ergebnissen, die wir nun zum Teil umsetzen wollen und können, haben wir erlebt, wie die Teilnehmer sich untereinander angefreundet haben und festgestellt haben, dass die Probleme der jungen Menschen, die jenseits einer Staatsgrenze leben, genau die gleichen sind, wie die diesseits der Grenze.

Alle Teilnehmer haben verstanden, dass die europäische Idee untrennbar mit der deutsch-französischen Freundschaft verbunden ist und dass es möglich ist, dass zwei Staaten, die sich noch vor 100 Jahren bekämpft haben, durch politischen Willen nicht nur Freunde sind, sondern dies auch zum wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wohl beider Völker ist.

Alle Teilnehmer haben verstanden, dass sie selbst dazu beitragen können, ihr Lebensumfeld „Europa“ mitzugestalten und dass es an ihnen liegt, sich zu engagieren und mitzuarbeiten.

Fast alle Teilnehmer haben sich vorgenommen, nach Rückkehr die jeweils andere Sprache noch besser zu erlernen.

Fast alle Teilnehmer haben sich bereit erklärt, an den nun zu entwickelnden Projekten mitzuarbeiten.

Arbeitsreiche Tage liegen hinter uns und unseren jungen Gästen aus allen Himmelsrichtungen. Aber arbeitsreiche Tage liegen auch vor uns, denn unsere jungen Gäste haben eine Menge von Ideen entwickelt, wie ihr Europa von morgen aussehen kann und soll - und wir haben nun den Auftrag, das umzusetzen, was hier an Ideen geboren wurde. Diese Herausforderung nehmen wir gerne an!


Wir sehen uns wieder in 2019, diesmal hier in Saarbrücken!